Schweinegrippe: Gesundheitsämter blicken besorgt in die Zukunft
Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärte Pandemie für beendet – Öffentlicher Gesundheitsdienst zieht Bilanz

Hunderttausende Infizierte,  Millionen Verdachtsfälle und hunderte Tote: Die Neue Influenza-Pandemie - auch Schweinegrippe genannt - war für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) ein Prüfstein seiner Leistungsfähigkeit.

Sprichwörtlich über Nacht erfuhren die zuständigen Behörden in ganz Deutschland im April 2009 vom Auftreten eines neuen Grippevirus. 

Alle Krankheits-, Todes- und Verdachtsfälle wurden in den Gesundheitsämtern erfasst, epidemiologisch ausgewertet und an die Landes- sowie Bundesbehörden übermittelt. Um herauszufinden, wie gefährlich das neue Virus tatsächlich ist, wurde vor allem in den ersten Wochen der Pandemie auch die Umgebung des Erkrankten genau unter die Lupe genommen: Sind weitere Familienmitglieder betroffen? Besteht Kontakt zu besonders gefährdeten Menschen? Bei wem und wo hat sich der Erkrankte angesteckt? „Die angeordneten Schutz- und Quarantänemaßnahmen stießen bei den Betroffenen nicht immer auf Verständnis“, sagt Ute Teichert-Barthel vom Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD).

Dazu kam das verständliche Informationsbedürfnis der Bevölkerung und der Medien. Da sich Situation und Wissensstand laufend änderten, wurden Hotlines eingerichtet, Informationen im Internet bereitgestellt und Zehntausende von Beratungsgesprächen mit Ärzten, Betroffenen und Angehörigen geführt.

Im Herbst wurde mit Hilfe des ÖGD eine bundesweite Impfkampagne organisiert.  Die Bevölkerung war verunsichert und bestürmte die Mitarbeiter der örtlichen Gesundheitsämter mit Fragen.

Am 10. August 2010 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Neue Influenza- Pandemie für beendet erklärt. Es wird jedoch erwartet, dass das Virus auch weiterhin zirkulieren und Infektionen hervorrufen wird. Aktuell befindet sich die Welt in der sogenannten postpandemischen Phase, in der das Pandemiegeschehen und die getroffenen (Schutz-)Maßnahmen bewertet werden. Auch der BVÖGD arbeitet derzeit an einer Evaluation der Arbeit der Gesundheitsämter.

Das Ergebnis liegt noch nicht auf dem Tisch, für die BVÖGD-Vorsitzende Teichert-Barthel steht schon jetzt fest: „Der ÖGD hat entscheidend dazu beigetragen, das Schweinegrippe-Geschehen in Deutschland zu bewältigen.“

Aber: Die rund 3000 Ärzte des ÖGD stießen bei der Bewältigung der Schweinegrippe auch an ihre Grenzen. Um alle anstehenden Aufgaben zu meistern, wurde – teilweise über Wochen – vielerorts Personal aus anderen Bereichen der Behörden zur Unterstützung hinzugezogen. Es gab zusätzliche Bereitschaftsdienste, und es wurden Zehntausende von Überstunden geleistet.  „Der kontinuierliche Stellenabbau der letzten Jahre und der Nachwuchsmangel hat sich deutlich bemerkbar gemacht“ so Teichert-Barthel, „zum Glück verlief die Pandemie viel glimpflicher als befürchtet, ein ernsthafteres Geschehen hätte uns möglicherweise überfordert.“